Das Konzept der Bildung

Bildung für jeden nach seiner Façon

Der Begriff ‚Bildung‘ gehört zu den deutschen Worten, die am häufigsten für Missverständnisse sorgen. Jeder versteht darunter etwas anderes. Und ein einfaches Wort ist es schonmal gar nicht. Eher ein Konzept, oder eine Lebenseinstellung.

  1. Bildung ist Wissen.
  2. Gebildet sein bedeutet, ein ausgesprochen gutes Benehmen an den Tag legen zu können.
  3. Gebildete Menschen haben ein Gespür für die Bedürfnisse der Menschen in ihrer Umgebung.
  4. Bildung ebnet einem den Lebensweg.
  5. Bildung bedeutet hart arbeiten und lernen.
  6. Für Bildung muss man ein Talent haben.

Der Begriff Bildung gehört zu den Worten, bei denen jeder seine ganz eigene Vorstellung der Bedeutung entwickelt hat. Manche dieser Vorstellungen mögen übereinstimmen – andere tun es überhaupt nicht, sind nicht miteinander zu vereinbaren. Eine einheitliche Definition ist schwer zu finden – wenn nicht sogar unmöglich. Trotzdem gibt es Gesetze, die ein ‚Recht auf Bildung‘ formulieren. Diese haben in manchen Fällen nationale, in manchen aber auch internationale Bedeutung. Bildung hat den Status eines Menschenrechts – und Defizite im Bereich der Bildung werden teilweise wie eine Menschrechtsverletzung behandelt.

Mindeststandards im Bereich Bildung?

Dabei gehen die Vorstellungen davon, wie weit Bildung gehen muss um den allgemeinen Standards zu entsprechen wieder weit auseinander. Manchen genügt es Lesen, Schreiben und Rechnen zu können. Andere brauchen genaue Kenntnisse über die physikalischen Gegebenheiten der Welt oder die Ansichten der unterschiedlichsten Philosophen wie die Luft zum Atmen. Aber wo liegen die Mindeststandards? Und gibt es eine ideale Bildung – ein sogenanntes Bildungsideal? Und auch über die Inhalte die auf den verschiedenen Stufen eines Bildungsweges vermittelt werden sollen, herrscht noch nicht einmal ein nationaler Konsens. Gehört es für einen deutschen Schüler zur Pflicht Goethe und Schiller gelesen zu haben? Ist Schlink ebenfalls Pflicht oder schon Kür? Der Bildungskanon und die Vorstellung von seinem Inhalt ist zeitlichen, gesellschaftlichen und individuellen Vorstellungen unterworfen.

Bildung mit Gold aufwiegen?

Ein besonderes Phänomen ist die Tatsache, dass der Bildungsstand in wohlhabenderen Staaten in der Regel höher ist als in weniger wohlhabenderen Staaten. Es besteht also nicht nur ein Zusammenhang zwischen dem Entwicklungsstand eines Landes und seines Bildungsstandes, sondern auch zwischen Wohlstandsniveau und Bildungsstand. Das hat dann natürlich auch Auswirkungen auf den Wert, den man der Bildung zuschreibt. Ist Bildung selbstverständlich, wird ihr Wert vielleicht geringer angesetzt, als wenn Bildung einen Luxus-Status hätte. Auf der anderen Seite wird man umso mehr geringschätzt, wenn die eigene Bildung unter den allgemeinen Standards ist. Davon hängen dann auch der Wert und die Bedeutung ab, die man Konzepten wie dem ‚Lebenslangen Lernen‘ zu schreibt. Gilt es als selbstverständlich oder als exotischer Luxus? Vor allem in Europa wird zurzeit versucht dieses Konzept als selbstverständlich zu etablieren, um so die Entwicklung der Region zu fördern.

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