Gesamtschule

Chancengleichheit vs. Gezielte Förderung?

Seit Jahren wird um die Hauptschule gestritten: Ist es nicht besser die Klassenbildung in der Schullaufbahn zu vermeiden und allen die gleiche Bildung zukommen zu lassen? Oder werden so Leistungsunterschiede einfach ignoriert?

Die Gesamtschule ist in Deutschland eine Alternative zum dreigliedrigen Schulsystem – Gymnasium-Realschule-Hauptschule – und kombiniert sozusagen diese 3 Schulformen miteinander. Der Vorteil der Gesamtschule besteht darin, dass nach der 4. Klasse noch keine weitere Laufbahnentscheidung getroffen werden muss. Auch hier absolvieren die Schülerinnen und Schüler die Klassen 5 bis 10 und erwerben damit den Hauptschulabschluss und bei entsprechenden Leistungen auch die Fachoberschulreife, also den Realschulabschluss. Sie können dieselben weiteren Bildungswege beschreiten, wie ihre Altersgenossen, die diese Abschlüsse an der entsprechend anderen Schulform erworben haben.

Gesamtschule – Unterrichtsinhalte

Der Unterricht an der Gesamtschule umfasst dabei alle Fächer, die an den anderen 3 Schulformen auch gelehrt werden. So gibt es hier beispielsweise, wie an den Hauptschulen, auch das Fach Arbeitslehre, mit seinen Inhaltsbereich Wirtschaft, Technik und Hauswirtschaftslehre. Und auch auf der Gesamtschule haben die Schüler ab der 6. Klasse die Möglichkeit Einfluss auf ihren Stundenplan zu nehmen, in dem sie beispielweise eine 2. Fremdsprache, das bereits erwähnte Fach Arbeitslehre oder auch eine zusätzliche Naturwissenschaft wählen. Ab Klasse 8 kann dann noch einmal eine Fremdsprache hinzugefügt werden.
Besonders an den Gesamtschulen sind die sogenannten Fachleistungs- oder Ergänzungskurse. Dabei sollen die Fachleistungskurse auf die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schüler eingehen, in dem sie mit Zustimmung der Eltern bestimmten Arbeitsgruppen zugeteilt und so besonders gefördert werden. Ab Klasse 7 werden hier die Fächer Englisch und Mathematik angeboten, was später noch durch Deutsch, Chemie und Physik ergänzt wird. Die sogenannten Ergänzungsstunden werden vor allem in Klasse 10 der Gesamtschule angeboten und sollen den Wechsel in eine gymnasiale Oberstufe erleichtern.

Gesamtschule – Pro und Kontra

Das Konzept der Gesamtschule wurde in den 1970er Jahren in Deutschland eingeführt und ist seitdem heiß umstritten. Die Befürworter der Gesamtschule betonen immer wieder, dass durch das gemeinsame Lernen von Stärkeren und Schwächeren beide profitieren können. Die Schwächeren können von den Fähigkeiten ihrer stärkeren Mitschüler Nutzen ziehen. Und diese wiederum könnten von der starken Gemeinschaft in der Klasse profitieren. Zu den Befürwortern zählt sich unter anderem auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks, da dieser befürchtet, dass beim dreizügigen Schulsystem die Schüler der Hauptschule zu wenig gefördert würden und auf der Strecke blieben.

Die Gegner der Schulform ‚Gesamtschule‘ führen dagegen an, dass weder stärkere noch schwächere Kinder von einem gemeinsamen Unterricht profitieren können: die einen seien lediglich über- und die anderen unterfordert. Außerdem argumentieren sie damit, dass alle Länder, die bei den letzten PISA-Vergleichstests vorne gelegen hätten, ein mehrzügiges Schulsystem besitzen und nicht auf ein Gesamtschulsystem setzen würden.

Bisher konnten sich weder die Gegner noch die Befürworter der Gesamtschule entscheidend durchsetzen. Interessant ist allerdings, dass der Pädagoge Helmut Fend festgestellt hat, dass die Gesamtschule zwar die soziale Selektivität verringert, dass sich die Berufschancen für Arbeiterkinder allerdings nicht verbessern würden.

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