Definition von Bildung

Nach meiner Bildungsauffassung bin ich gebildet!

Im Kochrezept für ‚Bildung‘ würden mit Sicherheit die Zutaten Wissen, Intellektualität und Kultiviertheit auftauchen. Aber ob man sie verrühren, verquirlen, aufkochen oder überbacken soll – das ist bisher noch nicht geklärt.


Im Allgemeinen wird der Begriff „Bildung“ mit endlosen Stunden auf harten Schulbänken assoziiert, in denen überforderte Lehrer versuchen ihren Schülern das Maß an Bildung zu vermitteln, welches im Lehrplan für das Alter der Schüler als angemessen festgelegt wurde. Danach ist Bildung Wissen – ist Bildung Lernen und Lehren – ist Bildung Kenntnis und Erkenntnis. Manche gelten als gebildet, manche eher nicht. Und im Zeitalter von Computer und Fernsehen vertrauen – zum Entsetzen von so manchem Vertreter der ‚alten Schule‘ -  immer mehr auf die Wahrheit hinter dem humoristischen Ausspruch:

Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch – sonst hieße es ja Buchung“.

Geschichtlicher Hintergrund des Begriffes

Der etymologische Ursprung des Wortes „Bildung“ liegt wahrscheinlich im Feld der Theologie. Hier lässt er sich auf mittelalterlichen Theologen Meister Eckhart zurückführen, der von der „Bildung des Menschen durch Gott sprach“. Als unbestrittener Urvater der modernen Auffassung von Bildung gilt Wilhelm von Humboldt, der auf der Schwelle zwischen dem 18. Und dem 19. Jahrhundert die wohl weitreichendste Bildungsreform des deutschen Sprachraumes durchführte. Und nach dem Urvater selbst, ist Bildung  „die Anregung aller Kräfte des Menschen, damit diese sich über die Aneignung der Welt entfalten und zu einer sich selbst bestimmenden Individualität und Persönlichkeit führen“. Bildung ist also mehr als Wissen; man könnte viel eher sagen, dass Wissen eines der Werkzeuge von Bildung ist.

Der Philosoph Hans-Georg Gadamer unterstreicht dieses, wenn er sagt, dass Bildung sich nicht auf die Aneignung von Wissen und das Erlernen von technischen Fähigkeiten beschränken lässt, sondern sich auch auf die Entwicklung der Talente und Potentiale eines Individuums bezieht. Bildung ist viel eher ein Prozess der Individualisierung, durch den sich die Persönlichkeit und die Rolle innerhalb eines sozialen Systems ausbilden können. Nach Johann Gottfried Herder ergibt sich daraus folgend Bildung als Aushandlungsprozess zwischen Ausbildung und Sozialisation.

Bildung als Mittel der Identitätsbildung

Den engen Zusammenhang zwischen den beiden theoretischen Konzepten „Bildung“ und „Identität“ bekräftigt der Philosoph Henning Kössler in seinem Werk „Bildung und Identität“ (1989). Darin beschreibt er Bildung als den „Erwerb eines Systems moralisch erwünschter Einstellungen durch die Vermittlung und Aneignung von Wissen derart, dass Menschen im Bezugssystem ihrer geschichtlich-gesellschaftlichen Welt wählend, wertend und stellungnehmend ihren Standort definieren, Persönlichkeitsprofil bekommen und Lebens- und Handlungsorientierung gewinnen“. Dabei kann der Hinweis auf die Moral auf die enge Beziehung des fraglichen Konzeptes mit dem der „Erziehung“ hinweisen. Eine Unterscheidung, wie sie zwar im Deutschen vorkommt, die aber beispielsweise im Englischen zu einem Begriff, dem der „education“, verschmilzt.

Eigenschaften gebildeter Menschen?

Um den Begriff näher zu beschreiben sind bisher auch einige Versuche unternommen worden, Bildung anhand von Kriterien-Listen festzulegen. So gilt zum Beispiel nach dem deutschen Pädagogen Hartmut von Hentig als gebildet, wer folgende Charaktereigenschaften bzw. Fähigkeiten aufweist:

  • Abscheu und Abwehr von Unmenschlichkeit
  • Die Wahrnehmung von Glück
  • Der Wille und die Fähigkeit sich zu verständigen
  • Ein Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der eigenen Existenz
  • Wachheit für letzte oder unentscheidbare Fragen
  • Selbstverantwortung und Verantwortung in der res publica

Dies lässt sich beispielsweise auch durch eine Liste von Zielen, die als eine Orientierung für die Gestaltung von Bildungsmaßnahmen dienen kann, ausdrücken:

  • Fähigkeiten der Lebens- und Alltagsbewältigung
  • Verantwortungsbewusstsein, Kompromiss- und Friedensfähigkeit
  • Kreativität und Selbstbeherrschung

Die Bildungs-Formel

Kurz: Das Konzept der Bildung umfasst die Gesamtheit der Fähigkeiten und Eigenschaften einer Persönlichkeit, die sich in einem permanenten Entwicklungsprozess befinden. Darin einbezogen sind auch die Konzepte, die man meist im engeren Sinne unter ‚Bildung‘ versteht:

  • Wissen – im Sinne von ‚Kenntnis von etwas haben‘
  • Intellektualität – bezogen auf besonderes künstlerisches und wissenschaftliches Wissen (vom lateinischen intellegere = verstehen)
  • Kultiviertheit – als die im sozialen Kontext ausgebildete gepflegte und sozial-erwünschte Lebensweise

Dazu addiert man dann noch:

  • Individuelle Anlagen der Persönlichkeit sowie
  • Zeitliche, räumliche und soziale Bedingungen

und erhält damit eine Mischung, die man als die persönliche Bildung des Individuums bezeichnen kann. Ein Konstrukt, das zu den Grundrechten gehört und nur (wenn überhaupt) in Relation zum unmittelbaren Umfeld bewertet und gesehen werden kann.

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