Abitur nachholen

Wenn Erwachsene noch einmal zur Schule gehen

Das Bildungsangebot in Deutschland ist vielfältig und groß. Hier ist (fast) alles möglich. Neben dem Abitur können etliche andere Schulabschlüsse nachgeholt werden. Kein Freischein zur Faulheit, aber größere Flexibilität.

Mit 16 Jahren wissen viele noch nicht genau, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Erst einmal eine Ausbildung machen, etwas Solides lernen und das erste eigene Geld verdienen – das scheint für so manchen die attraktivere Lösung zu sein. Die Schulbank hat man schließlich lange genug gedrückt. Und später merkt man dann – Abitur wäre vielleicht doch nicht schlecht gewesen.

Das deutsche Bildungssystem ist hier sehr flexibel aufgestellt. Die Sekundarstufe II ist nicht an ein Alter gebunden – sondern lediglich an eine Vorqualifikation. Wer einen Realschulabschluss oder einen Hauptschulabschluss in der Tasche hat kann auch nach mehrjähriger Berufstätigkeit noch einmal auf die Schulbank zurückkehren und das Abitur nachholen. Dafür stehen 3 Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Abendschule
  • Fernabitur
  • Kollegs

Der Unterschied zwischen ‚Abitur nachholen an der Abendschule‘ und ‚Abitur nachholen an einem Kolleg‘ liegt in der zeitlichen Organisation. Die Abendschule lässt sich recht einfach mit einem Vollzeit-Job kombinieren. Der Unterricht findet ausschließlich abends oder am Wochenende statt und ist darauf ausgerichtet, parallel zu einer Berufstätigkeit besucht zu werden. Auch ein Fernabitur bietet in dieser Hinsicht viel Flexibilität. Hier werden alle Aufgaben von zu Hause aus erledigt, was eine recht freie Zeiteinteilung ermöglicht. Ein Kolleg bietet dagegen die Möglichkeit das Abitur in einem Vollzeit-Schulbesuch nachholen zu können. Hier findet der Unterricht tagsüber statt – eine gleichzeitige Berufstätigkeit ist, mit Ausnahme von Nebenjobs oder ähnlichem, nicht möglich.

Abitur nachholen – Nötige Voraussetzungen

In der Regel sind ein Real- oder Hauptschulabschluss sowie eine mindestens 3-Jährige Berufstätigkeit notwendig, um das Abitur nachholen zu können. Erziehungszeiten und Phasen der Arbeitslosigkeit können ebenfalls angerechnet werden. Je nach Art des vorherigen Schulabschlusses und der Kenntnisse – bei manchen Einrichtungen müssen Tests abgelegt werden, um den Wissensstand einschätzen zu können – muss der frischgebackene Schüler noch einen Vorkurs belegen. Dies ist zum Beispiel erforderlich, wenn nur eine Fremdsprache vorgewiesen werden kann. Damit verlängert sich die Schulzeit um 1 bis 2 Semester.

Abitur nachholen – Dauer und Inhalt

Um das Abitur nachholen zu können, braucht man in der Regel – ebenso wie am Gymnasium – 3 Jahre. Vorkurse müssen zu dieser Zeit dazugezählt werden. In der Woche sollte man mindestens 20 Stunden Zeit für den Unterricht einplanen. Davon werden 2 Leistungskurse, die frei bestimmt werden, jeweils 5 Wochenstunden einnehmen und der Rest mit den Grundkursen gefüllt. Eines der Leistungskursfächer muss laut der Richtlinien des Abiturs entweder Mathematik, Deutsch, eine fortgeführte Fremdsprache oder aus dem naturwissenschaftlichen Bereich sein. Das 2. kann dann frei kombiniert werden. Die Zeit des Schulbesuchs gliedert sich in die folgenden Phasen:

  • Vorkurs (1 bis 2 Semester – falls erforderlich)
  • Einführungsphase (1. und 2. Semester)
  • Qualifikationsphase (3. bis 6. Semester) – die hier erbrachten Leistungen zählen für die Abschlussnote

Die Abiturprüfung zum Abschluss umfasst je eine schriftliche Prüfung in den Leistungsfächern, eine schriftliche sowie mündliche Prüfung in einem Grundkurs. Zu den Noten dieser Prüfungen werden anteilig, die während der Semester der Qualifikationsphase erbrachten Leistungen hinzugerechnet, um anschließend eine durchschnittliche Abschlussnote zu bilden.

Abitur nachholen – Kosten und Förderung

Staatliche Abendgymnasien und Kollegs sind in der Regel kostenfrei – bei privaten Einrichtungen und Institutionen werden Gebühren verlangt, um das Abitur nachholen zu können. Wie beim Besuch der Sekundarstufe I muss der Schüler allerdings in der Regel selbst für das Lernmaterial aufkommen. Das Abitur an einer Abendschule oder einem Kolleg wird teilweise von Stiftungen gefördert – Schüler, die noch nicht das 30. Lebensjahr vollendet haben, haben Anspruch auf eine Eltern-unabhängige BAföG-Förderung. In Ausnahmefällen kann die Altersgrenze hier auch entfallen.

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